Seit Ende März 2026 ist die Weltethos-Ausstellung am Christianeum wieder vollständig: In Raum EG09 hängt neben den anderen Weltreligionen wieder eine Wandtafel zum Judentum. Sie informiert über eine der ältesten und einflussreichsten religiösen Traditionen der Welt – eine Tradition, die seit Jahrtausenden zentrale ethische Werte wie Verantwortung, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit betont und damit auch das ethische Denken vieler anderer Religionen und Kulturen geprägt hat.

Das Judentum steht in besonderer Weise für die Idee, dass der Mensch Verantwortung für seine Mitmenschen und für die Welt trägt. Begriffe wie Gerechtigkeit, Nächstenliebe und die Verpflichtung zum verantwortlichen Handeln sind tief in der jüdischen Tradition verankert. Sie haben nicht nur das religiöse Leben geprägt, sondern auch philosophische und gesellschaftliche Debatten weit über das Judentum hinaus beeinflusst. Gerade in einer Schule, die sich dem humanistischen Bildungsideal verpflichtet fühlt, ist es wichtig, diese Tradition sichtbar zu machen und wertzuschätzen. Ein Beispiel für die Schönheit und Gültigkeit dieser Weisheit mag etwa das auf der Tafel befindliche Talmud-Zitat sein:

Die Ehre deines Schülers sei dir ebenso lieb wie deine eigene.
Die Ehre deines Kollegen gleiche der Ehrfurcht vor deinem Lehrer.

Und die Ehrfurcht vor deinem Lehrer gleiche der Ehrfurcht vor dem Himmel.

Ein treffenderes und kürzeres Leitbild für eine gute Schule dürfte schwer zu finden sein.

Die vorherige Tafel wurde im Herbst 2025 leider so stark beschmiert, dass sie nicht mehr zu retten war. Dieses Ereignis beschämt unsere Schulgemeinschaft und macht unfassbar traurig. Es hat uns zugleich daran erinnert, wie wichtig es ist, für Respekt, Dialog und gegenseitige Achtung einzustehen.Lernende des Religionskurses der zehnten Klassen formulieren dazu: „Die neue Tafel ist ein wichtiges Zeichen für Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt an unserer Schule. Sie steht für Wissen, Erinnerung und die Anerkennung jüdischen Lebens als festen Bestandteil unserer Gesellschaft – in Geschichte und Gegenwart. Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile und Ausgrenzung wieder sichtbarer werden, ist es uns besonders wichtig, ein klares Zeichen für Offenheit und gegenseitige Wertschätzung zu setzen.

Umso dankbarer sind wir, dass nun eine neue Tafel aufgehängt werden konnte. Unser besonderer Dank gilt der Stiftung Weltethos, die die neue Tafel zur Verfügung gestellt hat, sowie den Amici Christianei, die die Versandkosten übernommen haben, sowie Thorsten Daus und Muhammed Cengiz für die Montage der Tafel. Durch diese Unterstützung konnte die Ausstellung wieder vollständig werden.

Die Weltethos-Ausstellung am Christianeum greift einen Gedanken auf, der von dem Theologen Hans Küng und der Stiftung Weltethos geprägt wurde: Trotz aller Unterschiede teilen die großen Religionen der Welt grundlegende ethische Überzeugungen. Diese gemeinsamen Werte können eine Grundlage für friedliches Zusammenleben, gegenseitigen Respekt und verantwortliches Handeln sein. Im Zentrum dieses Weltethos steht die „Goldene Regel“, die in vielen Religionen in ähnlicher Form vorkommt: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Von diesem Prinzip ausgehend benennt die Weltethos-Erklärung zentrale gemeinsame Werte der Religionen: Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Partnerschaft zwischen Menschen sowie die ökologische Verantwortung für die gemeinsame Mitwelt.

Die Ausstellung im Christianeum möchte diese Gemeinsamkeiten sichtbar machen. Sie lädt dazu ein, die verschiedenen religiösen Traditionen kennenzulernen, Unterschiede zu respektieren und zugleich die verbindenden Werte zu entdecken. Gerade in einer vielfältigen und pluralen Gesellschaft ist dieses Wissen eine wichtige Grundlage für Verständnis, Dialog und friedliches Zusammenleben.

Wir freuen uns sehr, dass die neue Tafel zum Judentum nun wieder Teil unserer Ausstellung ist.

Daniel Brockmann für die Fachschaft Religion