In Planung: Offene Türen am 14. November 2021!

Hier finden Sie in Kürze Informationen über unser Programm am Sonntag, 14. November 2021. Anlässlich der Vernissage der Wanderausstellung „Gesamtkunstwerke“ im Jenisch-Haus öffnen wir – in beiden Hamburger Jacobsen/Weitling-Gebäuden – an diesem Tag unsere Türen mit Führungen und einem kleinen Programm für architektur- und design-interessierte Gäste. Details folgen. Willkommen!

DIE FORMGEBER DES FUNKTIONALISMUS – Die Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling hat eine herausragende Bedeutung für die Nachkriegsmoderne in Deutschland. Mit acht Projekten haben die beiden dänischen Baumeister hier die meisten Bauten außerhalb ihrer Heimat realisiert. Erstmals werden sieben davon in der Wanderausstellung „Gesamtkunstwerke“ gezeigt. Sie findet im Rahmen des deutsch-dänischen kulturellen Freundschaftsjahres 2020 und anlässlich Jacobsens 50. Todestages 2021 statt. Der Hamburger Standort für die Ausstellung „Gesamtkunstwerke“ ist vom 15.11.2021 bis 18.04.2022 das Jenisch-Haus.

Das Christianeum ist in einem markanten Gebäude untergebracht, das den einen eine Design-Ikone ist und andere zunächst vor Fragezeichen stellt. Es lohnt daher ein Blick auf die Architektur der Schule in Verbindung mit ihrer Geschichte.

Auffallend am Bau, der nach Plänen von Arne Jacobsen (1902–1971) errichtet wurde, sind die kompakten Träger, die auf den Stützen zu schweben scheinen und sich als sichtbares, außenliegendes Raster über das gesamte Gebäude spannen. Während die Tragkonstruktion aus Beton ist, bestehen die Außenwände überwiegend aus Glas und werden von den außenliegenden Überzügen gehalten, was in der Nutzung eine umfängliche Flexibilität ermöglichen sollte. Auch im Inneren dominiert die klare Linienführung, deren Einfachheit schnell zu erfassen ist. Die pavillonartigen Klassenräume im Oberdeck und die Fachräume im Unterdeck werden von der Sporthalle im Osten und der Aula im Westen flankiert.

Bei der Innenraumgestaltung wird das originale Farbspektrum von Gelb- und Sandtönen an den Wänden über Rot, Blau und Petrol an Türen und Geländern bis zu dunkelgrauen Fensterumrahmungen erkennbar. Auch zahlreiche Einrichtungsgegenstände und Details im denkmalgeschützten Gebäude stammen aus der Feder Jacobsens.

„Der Bauherr ist durch die Beweiskraft technischer Disziplinen bequem geworden. Er misstraut jedem ästhetischen Argument, das nie logisch beweisbar sein wird. So lange aber Ästhetik in unserer Gesellschaft geringgeachtet wird, kann keine gute, wahrhaft funktionelle Architektur entstehen.“

Arne Jacobsen, Richtfest des Christianeums III am 26.02.1970

Aller guten Dinge sind drei

Nachdem das erste Gebäude an der Schulstraße in Altona gut 200 Jahre genutzt worden war und auch mit einer in der wilhelminischen Zeit entstandenen Erweiterung den Erfordernissen nicht mehr genügte, musste das Christianeum umziehen. Es nutzte ab 1936 einen großen, bauhausinspirierten Neubau in Bahrenfeld/Othmarschen an der Behringstraße, die damals Roonstraße hieß. Das Gebäude war 1930/31 als Hochschule für Lehrerbildung geplant und begonnen und infolge der Wirtschaftskrise im Rohbau stillgelegt worden. 1934 bis 1936 wurde es für das Christianeum fertiggestellt. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstand das neue Schulgebäude kaum beschädigt; von Mai bis Oktober 1945 diente es als Sitz der britischen Militärkommandantur. Anfang der 1970-er Jahre musste das Schulgebäude dem Bau des damals neuen Elbtunnels auf der Autobahn A7 weichen.

„Als das Christianeum 1964 erkennen musste, dass sein jetziges Gebäude aus der Bauhauszeit trotz aller Bemühungen nicht zu erhalten war, kam in der Schule und unter der Elternschaft der Gedanke auf, die Stadt Hamburg zu bitten, für den Neubau (…) einen Wettbewerb auszuschreiben. Unsere „dänische Vergangenheit“ legte es nahe (…), dass für diesen Wettbewerb auch skandinavische Architekten gewonnen werden. Zu unserer Freude war auch Arne Jacobsen bereit, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Er erhielt mit dem ersten Preis den Bauauftrag.“

Schulleiter Oberstudiendirektor Hans Kuckuck im Vorwort zum Heft „Christianeum“ 2/1970

Seit 1971 ist unser Gymnasium an der Otto-Ernst-Straße 34 in dem funktionalistischen Arne Jacobsen-Bau untergebracht. Aufgrund der Rechte der Erben des dänischen Architekten darf er baulich nicht über die vom Urheber des Entwurfs vorgesehene Gebäudeflexibilität hinaus verändert werden. Das Konzept sah allerdings die Veränderbarkeit der Innenräume vor, da Außenträger das Gebäude stützen und tragende Wände deshalb bis auf wenige Ausnahmen nicht nötig sind. Die Auflösung der Außenwände in Verglasungen erlaubt überdies auch in fast allen Gängen den Ausblick nach draußen. Durch die Trägerkonstruktion ergibt sich eine markante äußere Ästhetik des Baus, über die auch gern kontroverse Diskussionen geführt werden.

Architekturführungen

In Abständen werden Architektur-Führungen angeboten.
Auch im Rahmen der Reihe „Tag des offenen Denkmals“ finden jährlich im September Führungen statt.

Die „Tag des offenen Denkmal“-Führungen finden am 11.09.2021 um 11 Uhr und um 13 Uhr statt. Die Teilnahme ist dieses Jahr nur nach Vorab-Anmeldung per E-Mail an dirk.schoch@sutorbank.de möglich. Die Führungen finden unter Einhaltung der aktuellen Hygiene-Regeln statt. Sie benötigen eine Mund-Nasen-Bedeckung und einen 3G-Nachweis.

Die nächsten Führungen finden am 14.11.2021 statt. Informationen folgen.

Architekturportrait

Die Architektur des Christianeums ist in diesem Portrait mit Erläuterungen dargestellt.

Ausstellung „Gesamtkunstwerke"

Das Christianeum ist eines der acht Bauwerke Arne Jacobsens und Otto Weitlings in Deutschland, und darunter der einzige Schulbau.
Unser Gebäude ist Teil der Wanderausstellung „Gesamtkunstwerke“, die im November 2020 in Berlin eröffnet wurde und in 2021/22 auch in Hamburg zu sehen sein wird. Zur Ausstellung gehört auch ein Katalog mit Essays und Portraits zu den Bauwerken. Weitere Informationen unter gesamtkunstwerke.eu

"hamburger bauheft: Drei Standorte, ein Christianeum 1721-2021"

Das im Sommer 2021 erschienene „hamburger bauheft“ Nr. 36 widmet sich dem Christianeum. Es beschreibt die Gebäude an den drei Standorten des Gymnasiums: Angefangen um 1721 mit ersten Barockbauten in der Altonaer Altstadt, dem dortigen Umbau bis 1904, über den Umzug 1936 in das neusachliche Gebäude an der heutigen Behringstraße bis zum „funktionalistischen“ Neubau 1971 in Othmarschen.

Der Bau der Autobahn und der damit verbundene Abriss des Vorgängergebäudes erforderten den Neubau, der nach einem Wettbewerbsentwurf des dänischen Architekten Arne Jacobsen ausgeführt wurde, womit das Christianeum auch architekturhistorisch eine einzigartige Stellung einnimmt, wie Dirk C. Schoch eindrücklich darstellt. Ebenso repräsentiert das Christianeum eine Jahrhunderte umfassende, in ihrer Entwicklung spannende Kulturgeschichte des Schulwesens, wofür die vorhergehenden, mit seinem Namen verknüpften „Erziehungsanstalten“ stehen. Sie werden von Dirk Hempel vorgestellt und umfassend erläutert. Das Heft ist mit zahlreichen historischen Fotos der unterschiedlichen Gebäude versehen – wobei vor allem die Aufnahmen des vergessenen, als Pädagogische Akademie im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten Baus am zweiten Standort überraschen. Aktuelle, bei Schneelage erstellte Fotografien des Jacobsen-Gebäudes von Dorfmüller/Klier runden das Heft visuell ab.

Nr. 36 aus der Reihe „hamburger bauhefte“, ISBN 978-3-944405-56-8, 68 Seiten, 9,- €.
Das Heft ist erhältlich im Buchhandel oder beim Schaff-Verlag.

Architektur-Impressionen

In English

Arne Jacobsen’s architecture: The Christianeum in Hamburg

The grammar school Christianeum is housed in a remarkable building, which, for some, is a feast for the eyes as well as it initially poses question marks for others. It is therefore worth taking a look at the architecture of the school in connection with its history.

What is striking about the building, which was erected according to plans by Arne Jacobsen (1902–1971), are the compact girders that seem to float on the supporting parts and stretch over the entire building as a visible, external grid. While the supporting structure is made of concrete, the outer walls are mainly made of glass and are held in place by the external coverings, which should allow extensive flexibility in use. The interior is also dominated by the clear lines, the simplicity of which is easy to grasp. The pavilion-like classrooms on the upper deck and the specialist rooms on the lower deck are flanked by the sports hall in the east and the auditorium in the west.

The grammar school at Otto-Ernst-Straße 34 in Hamburg has been housed in this functionalist Arne Jacobsen building since 1971. The building is listed as protected and may not be structurally altered beyond the building flexibility envisaged by the author of the design. The concept, however, provided for the interior spaces to be changeable, as external beams support the building and, with a few exceptions, therefore, load-bearing walls are not necessary. The dissolution of the outer walls in glazing also allows a view of the outside in almost all corridors.

In the interior design, the original color spectrum from yellow and sand tones on the walls through red, blue and petrol on doors and railings to dark gray window frames can be seen. Numerous furnishings and details in the listed building were also designed by Jacobsen.

Christianeum’s history is Danish

The history of the Christianeum itself dates to 1664 when a first precursor of the school was founded. At that time, the former city of Altona (nowadays part of the city of Hamburg) in which the school was founded, was under sovereignty of the Danish king. The Christianeum was founded in 1738 and given its name in 1744 by Danish King Christian VI. When – with a timeskip – a new school building needed to be planned in the 1960s when Hamburgs urban planners needed space for the Autobahn, the “Danish past” suggested that also Scandinavian architects should be invited to the competition. Clearly visible, Arne Jacobsen and Otto Weitling were the architects who realized the project.

The Christianeum is one of the eight buildings by Arne Jacobsen and Otto Weitling in Germany, and among them the only school building.